kein theater

Es sind merkwürdige Zeiten. Aber wem erzähle ich das? Wir sitzen im Moment ja alle im gleichen Boot. Die Welt, wie wir sie kennen, hat sich irgendwie in einen Kopfstand begeben. Und obwohl wir jetzt schon Zeit hatten uns an die Umstände zu gewöhnen, ist doch noch keine Normalität eingekehrt.

Noch im Februar habe ich mir mein Stück, „ein UFO fürs Dorf“ bei der Weberknecht Bühne in Hamburg anschauen können. Ein toller Abend im gut gefüllten Veranstaltungssaal einer Seniorenresidenz meiner Heimatstadt. Ein paar Wochen später, waren genau solche Veranstaltungen plötzlich gar nicht mehr denkbar.

Februar 2020: gemeinsames Foto mit dem Ensemble der Weberknecht Bühne Hamburg, nach einer Vorstellung von „ein UFO fürs Dorf“.

Sämtliche Amateurtheater stellten schlagartig ihren Spielbetrieb ein. Die Ur-Aufführung von „der Omatrick“ in der nähe von Bonn viel genau so aus, wie die letzte Vorstellung des Jubiläumsstücks meiner eigenen Theatergruppe. Von einem auf den anderen Tag, stand plötzlich alles still.

Das ist mittlerweile gut fünf Monate her. Und während die vielen Amateurgruppen sehnsüchtig darauf warten, dass sie endlich wieder spielen dürfen, kämpft eine ganze Branche professioneller Künstler um nicht weniger, als ihre Existenz.

Und auch wenn die ersten Häuser wieder vorsichtig ihren Spielbetrieb aufnehmen, sind die Angebote doch noch sehr übersichtlich und die Auflagen so hoch, dass von einem Normalbetrieb wahrlich nicht die Rede sein kann.

Aber, wer Künstler ist, ist eben auch Lebenskünstler. Um durchzuhalten, gibt es eine Reihe kreativer Ideen. Da werden Karten für Festivals verkauft, zu denen man nicht hingehen kann, und für die viele namhafte Größen schon mal von vornherein abgesagt haben. Andere verlagern ihre Kunst ins Internet, bitten auf diesem Weg um Spenden. Auftritte werden ohne Publikum absolviert. Das Autokino erlebt eine wahre Renaissance. Das Autokonzert wird erfunden, und Comedians und Kabarettisten wandeln es sofort zum Autotheater um – statt mit Ovationen bedanken sich die Anwesenden mit Hupkonzerten. Bei Konzerten applaudiert sich das Orchester selbst, stellvertretend für die Zuschauer in ihren Wohnzimmern.

Die Parole lautet: durchhalten! Das Beste aus der Sache machen! Und nicht aufgeben!

Als Zuschauer kann ich nur sagen: Theater – ich vermisse dich. Und als Theatermensch kann ich nur sagen: Zuschauer, wir vermissen euch. Bleibt gesund – das ist schließlich der Grund, warum wir das alles so tapfer ertragen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.